Ratgeber · Vorbereitung

Die ersten Wochen mit einem Welpen — was dich wirklich erwartet

Kein Zuckerbeschichten: Die ersten Wochen mit einem Welpen sind intensiv. Schlafentzug, Unfälle auf dem Teppich, Beißen — und gleichzeitig die schönste Zeit, die du mit einem Hund haben wirst. Hier ist die ehrliche Vorbereitung.

Ehrlich und vollständig Aktualisiert April 2026
Das Wichtigste vorab

Woche 1–2 sind die härtesten. Dein Welpe weint nachts, macht überall seine Geschäfte und testet mit seinen Zähnen alles — inklusive deiner Hände. Das ist normal und vergeht.

Woche 3–4 wird spürbar besser. Der erste Rhythmus entsteht, das Stubenreinheitstraining zeigt Wirkung, und die Bindung wächst jeden Tag.

Wer vorbereitet in die ersten Wochen geht, übersteht sie deutlich entspannter. Dieser Ratgeber zeigt dir genau, was wann kommt — und was du brauchst.

Bevor der Welpe einzieht: Die Wohnung welpen-sicher machen

Ein Welpe erkundet die Welt mit dem Maul. Was auf dem Boden liegt, wird angeknabbert, geschluckt oder zerstört. Bevor dein Welpe einzieht, geh durch jeden Raum und denk wie ein neugieriges Kleinkind.

Die häufigsten Gefahrenquellen

  • Elektrokabel: Für Welpen sind Kabel ein Beißspielzeug. Spiralschutz oder Kabelkanäle sind Pflicht — angenagte Kabel sind lebensgefährlich.
  • Giftpflanzen: Zimmerpflanzen wie Dieffenbachie, Philodendron, Efeu und Oleander sind für Hunde giftig. Außer Reichweite stellen oder entfernen.
  • Reinigungsmittel und Medikamente: Unter der Spüle, im Bad — alles in gesicherte Schränke oder in die Höhe stellen.
  • Kleine Gegenstände: Socken, Spielzeug der Kinder, Münzen — alles was in eine Welpenmaul passt, kann verschluckt werden.
  • Treppen: Junge Welpen unter 4–5 Monaten sollten keine Treppen laufen — das belastet die Gelenke. Absperrgitter am Treppenaufgang.

Tipp: Welpen-Zone einrichten. Viele erfahrene Halter beschränken den Welpen in den ersten Wochen auf einen definierten Bereich — z.B. Küche oder Wohnzimmer. Das erleichtert die Aufsicht, begrenzt Schäden und macht die Stubenreinheit einfacher. Ein Laufstall oder Absperrgitter hilft dabei enorm.

Woche für Woche: Was dich erwartet

Woche 1 — Ankunft
Die härteste Woche — und die emotionalste

Dein Welpe verlässt zum ersten Mal seine Mutter und Geschwister. Das ist Stress. Erwarte in den ersten Nächten Winseln und wenig Schlaf — für euch beide.

Was passiert:
  • Erster Tierarztbesuch innerhalb der ersten 3 Tage (Gesundheitscheck, Impfpass prüfen)
  • Welpe lernt seinen neuen Schlafplatz kennen
  • Erste Unfälle auf dem Boden — viele
  • Beißen als Erkundung — alles wird angeknabbert
Was hilft: Wärmflasche im Bett, alte Uhr unter die Decke (Herzschlag-Simulation), ruhige Stimme. Nicht jedes Winseln sofort beantworten — sonst lernt er, dass Winseln funktioniert.
Woche 2 — Erkundung
Stubenreinheit beginnt — konsequent und geduldig

Dein Welpe beginnt seine Umgebung aktiver zu erkunden. Das Stubenreinheitstraining läuft jetzt auf Hochtouren — alle 1–2 Stunden nach draußen, nach dem Aufwachen, nach dem Fressen, nach dem Spielen.

Was passiert:
  • Erste Schritte nach draußen — jede Mahlzeit und jeder Schlaf endet mit einem Gang
  • Beißen nimmt zu (Zahnung beginnt ca. ab 3–4 Monaten, aber Welpen testen Grenzen sofort)
  • Sozialisation: erste sanfte Begegnungen mit Menschen, Geräuschen, Umgebungen
Wichtig: Nie schimpfen bei Unfällen drinnen — der Welpe versteht den Zusammenhang nicht. Draußen loben, drinnen still wegwischen.
Woche 3–4 — Routine
Der erste Rhythmus — es wird spürbar leichter

Erster Schlaf durch die Nacht ist jetzt oft möglich. Die Unfälle werden weniger. Dein Welpe lernt, dass er nach draußen muss — und macht das Signal deutlicher (zur Tür gehen, winseln).

Was passiert:
  • Erste Kommandos können beginnen: "Sitz", "Platz", kurze Übungen (max. 3–5 Min.)
  • Zweiter Impftermin beim Tierarzt (je nach Impfplan ca. Woche 3–4)
  • Welpe beginnt, die Familienhierarchie zu testen — klare Regeln jetzt setzen
  • Leinengewöhnung kann starten
Tipp: Jetzt ist der beste Zeitpunkt für die Hundeschule — Welpen-Spielstunde anmelden. Sozialisation in dieser Phase prägt das Verhalten für's Leben.
Woche 5–8 — Wachstum
Persönlichkeit zeigt sich — und erste echte Herausforderungen

Dein Welpe wird selbstbewusster, aktiver, und testet Grenzen gezielt. Die Pubertät liegt noch vor euch, aber erste Charakterzüge sind deutlich erkennbar.

Was passiert:
  • Zahnwechsel beginnt (ab ca. 4 Monaten) — Kauen intensiviert sich
  • Mehr Auslauf möglich, aber immer noch begrenzt (Gelenke!)
  • Erste echte Bindung zur Familie ist jetzt tief verankert
  • Rückschritte bei Stubenreinheit sind in dieser Phase normal

Stubenreinheit — der häufigste Frustrationspunkt

Kein Thema bereitet mehr neue Welpenbesitzer auf. Die gute Nachricht: Die meisten Welpen sind mit 4–5 Monaten zuverlässig stubenrein. Der Weg dahin erfordert Konsequenz, keine Strafe.

Die Regel, die alles vereinfacht

Dein Welpe muss raus nach: Aufwachen, Fressen, Spielen — und alle 60–90 Minuten dazwischen. Ein Welpe unter 12 Wochen kann seine Blase noch nicht lange halten. Das ist keine Faulheit, das ist Biologie.

  1. Immer dieselbe Stelle draußen — der Geruch erinnert ihn
  2. Sofort loben wenn er draußen macht — überschwänglich, mit Leckerli
  3. Bei Unfällen drinnen: nichts sagen, wegwischen, fertig
  4. Niemals die Nase reinhalten — das erzeugt nur Angst, keine Lernwirkung

Das häufigste Missverständnis: Viele Besitzer erwarten, dass ein Welpe nach wenigen Tagen draußen sein Geschäft macht und drinnen nicht mehr. Das ist unrealistisch. Zuverlässige Stubenreinheit dauert Wochen bis Monate — abhängig von Rasse, Temperament und Konsequenz.

Das Beißen — normal, aber es braucht Grenzen

Welpen erkunden die Welt mit dem Maul. Sie beißen in Hände, Hosenbeine, Möbel, Schuhe — alles. Das ist kein Aggressionsproblem, sondern normales Welpenverhalten. Trotzdem muss es kontrolliert werden.

Was wirklich hilft

  • Beißhemmung lernen lassen: Wenn der Welpe zu fest beißt, kurzes "Aua!" und Spiel unterbrechen. Hände wegziehen. Welpen lernen durch die Reaktion des Gegenübers, wie fest zu viel ist.
  • Umlenken auf Spielzeug: Immer ein geeignetes Kauspielzeug parat haben. Wenn er die Hand beißt, Spielzeug anbieten und loben wenn er es nimmt.
  • Kein Ablenken mit der Hand: Hände nicht als Spielzeug nutzen — das gibt verworrene Signale.
  • Kauspielzeug für den Zahnwechsel: Ab ca. 4 Monaten kommen die Adultzähne — Kühlen hilft (Spielzeug kurz in den Gefrierschrank).

Der erste Tierarztbesuch — was du wissen musst

Innerhalb der ersten 3 Tage nach Einzug sollte dein Welpe zum Tierarzt. Nicht weil er krank ist, sondern als Basis-Check und um eine Vertrauensbeziehung aufzubauen.

Was beim ersten Besuch geprüft wird

  • Allgemeiner Gesundheitsstatus (Gewicht, Herzschlag, Reflexe)
  • Impfpass prüfen — welche Impfungen wurden beim Züchter gemacht, was steht noch aus
  • Entwurmung besprechen (Welpen werden oft mehrfach entwurmt)
  • Chip-Nummer kontrollieren (Pflicht in DE)
  • Floh- und Zeckenschutz planen

Impfplan für Welpen (Standardschema):

8 Wochen: Erste Kombi-Impfung (Staupe, Parvo, Hepatitis, Leptospirose)
12 Wochen: Zweite Kombi-Impfung + ggf. Tollwut
16 Wochen: Dritte Kombi-Impfung
Ab 15 Monaten: Erste Wiederholung

Vor der zweiten Impfung sollte kein Kontakt mit unbekannten Hunden in der Öffentlichkeit stattfinden — der Schutz ist noch nicht vollständig aufgebaut.

Was du wirklich brauchst — die wichtigsten Produkte

Die vollständige Liste findest du in unserer Erstausstattungs-Checkliste. Hier die 5 Dinge, die du in den ersten Wochen am meisten brauchst:

🏆 Must-have Woche 1
Welpen-Transportbox / Gitterbox
Schlafplatz · Rückzugsort · Sicherheit
Eine Box ist kein Käfig — sie ist das sichere Zuhause deines Welpen. Welpen, die von Anfang an eine Box akzeptieren, sind ruhiger, stubenreiner und weniger gestresst. Mit einem alten T-Shirt von dir drin riecht es vertraut. Größe so wählen, dass dein Welpe aufrecht stehen und sich umdrehen kann — nicht größer (sonst macht er in der Ecke sein Geschäft).
ca. 45–80€ je nach Größe
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Must-have
Absperrgitter / Laufstall für Welpen
Welpen-Zone · Schutz · Übersicht
Ein Absperrgitter schafft eine sichere Welpen-Zone in der Wohnung — du kannst kurz aus dem Raum ohne Angst vor Chaos. Besonders wichtig für die Nacht und wenn du kurz nicht aufpassen kannst. Erspart dutzende kleinere Katastrophen in den ersten Wochen.
ca. 30–60€
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Stubenreinheit
Welpen-Unterlage / Trainingsmatten
Stubenreinheitstraining · Notfall-Option
Für die erste Nacht und bei schlechtem Wetter: saugfähige Unterlagen (auch "Puppy Pads" genannt) als Notfall-Option in der Welpen-Zone. Nicht als Dauerlösung gedacht — das Ziel ist draußen — aber in den ersten Wochen ein echter Stressbefreiung.
ca. 14€ / 50 Stück
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Beißen & Zahnen
KONG Welpen (Gummi-Spielzeug)
Kauspielzeug · Beschäftigung · Beißhemmung
Der KONG ist das meistempfohlene Welpenspielzeug weltweit — aus gutem Grund. Das weiche Gummi ist perfekt für Welpen-Zähne, kann mit Leckerlis oder Nassfutter gefüllt werden (und eingefroren — perfekt beim Zahnwechsel). Lenkt vom Beißen in Hände und Möbel ab.
ca. 9€ (Größe S/M)
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Training
Weiche Trainings-Snacks
Belohnung · Lernmotivation · Klein portioniert
Ohne Leckerlis kein effektives Training. Weiche, kleine Snacks (ca. erbsengroß) sind ideal — sie können schnell gegeben werden ohne den Ablauf zu unterbrechen. Wichtig: Die Snack-Menge von der Tagesration Futter abziehen, damit der Welpe kein Übergewicht bekommt.
ca. 8€ / 200g
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Häufige Fragen zu den ersten Wochen

Mein Welpe weint die ganze Nacht — was tun?

Das ist in den ersten 1–3 Nächten normal. Er vermisst seine Geschwister und die vertraute Umgebung. Hilfreich: Ein T-Shirt von dir im Bett, eine leise Uhr unter der Decke (simuliert Herzschlag), Wärmflasche eingewickelt in ein Tuch. Die Box neben dein Bett stellen, damit er dich riechen und hören kann. Nicht jedes Winseln sofort beantworten — nach 3–5 Tagen lässt es deutlich nach.

Ab wann darf mein Welpe nach draußen?

Vor der zweiten Impfung (ca. 12. Lebenswoche) kein Kontakt mit unbekannten Hunden auf der Straße — der Parvo-Schutz ist noch nicht vollständig. Aber: Raus darf er trotzdem — in ruhiger Umgebung, auf Armen getragen, oder im eigenen Garten. Sozialisation in dieser Phase ist wichtiger als vollständiger Impfschutz — das Fenster für die Prägungsphase schließt sich mit ca. 16 Wochen.

Wie lange darf mein Welpe alleine bleiben?

In den ersten Wochen möglichst gar nicht. Ab Woche 3–4 kann man mit 10–15 Minuten beginnen und langsam steigern. Welpen unter 6 Monaten sollten nicht länger als 2–3 Stunden alleine sein. Das alleine Lassen muss trainiert werden — schrittweise, positiv, ohne Drama beim Weggehen oder Kommen.

Mein Welpe beißt mich — ist das normal?

Ja, vollständig normal. Welpen beißen als Erkundung, im Spiel und wenn sie müde oder überdreht sind. Kurzes "Aua!" und Spiel beenden, dann auf Spielzeug umlenken. Hände nie als Spielzeug benutzen. Die meisten Welpen lernen Beißhemmung innerhalb von 4–6 Wochen, wenn konsequent reagiert wird.

Wann soll ich mit der Hundeschule anfangen?

So früh wie möglich — viele Hundeschulen bieten Welpenspielstunden ab der 2. Impfung an (ca. 12–13 Wochen). Die Sozialisation mit anderen Welpen und Menschen in dieser Phase ist prägend. Auf eine gute Hundeschule achten: positive Verstärkung, kein Straf- oder Dominanztraining. Erst anschauen, dann anmelden.

Mein Welpe schläft den ganzen Tag — ist das okay?

Ja. Welpen schlafen 16–20 Stunden am Tag. Das Wachstum und die Gehirnentwicklung laufen auf Hochtouren — Schlaf ist dafür essentiell. Lass deinen Welpen schlafen wann immer er will, und wecke ihn nicht. Ein übermüdeter Welpe wird unruhig, beißt mehr und hat mehr Unfälle.