Ratgeber · Futter & Ernährung

Welpenfutter ohne Getreide — wann es sinnvoll ist (und wann nicht)

Getreidefrei klingt nach natürlicher Ernährung und weniger Allergien. Aber stimmt das wirklich? Wir klären, für wen es sich lohnt — und für wen nicht.

100 % unabhängig Aktualisiert April 2026 Kein Spam
Kurze Antwort
Getreidefrei ist nicht automatisch besser.

Für die meisten Welpen ohne nachgewiesene Unverträglichkeit ist hochwertiges Futter mit Getreide mindestens gleichwertig — und oft günstiger. Getreidfreies Futter lohnt sich bei konkreten Symptomen wie Verdauungsproblemen oder Hautirritationen, die auf Getreide zurückzuführen sind, oder auf ausdrücklichen tierärztlichen Rat.

Was bedeutet „getreidefrei" eigentlich?

Welpenfutter ohne Getreide enthält keine klassischen Getreidesorten wie Weizen, Mais, Gerste, Hafer oder Reis. Das klingt zunächst nach einer natürlicheren Ernährung — schließlich fressen Wölfe in der Wildnis keine Cornflakes. Doch der Vergleich hinkt: Hunde haben sich in Jahrtausenden gemeinsam mit dem Menschen an Stärke als Energiequelle angepasst. Sie produzieren das Enzym Amylase in deutlich größeren Mengen als Wölfe und können Kohlenhydrate gut verdauen.

„Getreidefrei" bedeutet also nicht „kohlenhydratfrei". Stattdessen kommen andere Kohlenhydratquellen zum Einsatz — meist Kartoffeln, Süßkartoffeln, Erbsen oder Tapioka. Diese sind ebenfalls stärkereich, aber nicht von Natur aus überlegen. Der eigentliche Qualitätsfaktor beim Hundefutter ist der Fleischanteil und die Zusammensetzung der Nährstoffe, nicht das Fehlen von Getreide.

Hinzu kommt: Der Begriff „getreidefrei" ist marketingtechnisch aufgeladen. Viele Hersteller nutzen ihn als Premiumversprechen — obwohl die wissenschaftliche Evidenz dafür, dass getreidfreies Futter gesünder ist, bislang fehlt. Entscheidend ist, was tatsächlich im Futter steckt: die Qualität der Rohstoffe, der Proteingehalt und ob alle Nährstoffe bedarfsgerecht vorhanden sind.

Wann ist getreidfreies Futter sinnvoll?

Es gibt Situationen, in denen getreidfreies Welpenfutter eine echte Option ist:

  • Nachgewiesene Getreide-Allergie oder -Unverträglichkeit: Wenn ein Welpe auf Weizen oder andere Getreidesorten reagiert — erkennbar an Hautirritationen, starkem Juckreiz, chronischem Durchfall oder übermäßigem Aufblähen — kann eine getreidfreie Ernährung Linderung verschaffen. Wichtig: Eine Diagnose sollte idealerweise durch einen Tierarzt bestätigt werden.
  • Empfehlung des Tierarztes: In bestimmten Fällen, etwa bei Hunden mit sehr empfindlichem Verdauungstrakt oder spezifischen Erkrankungen, kann der Tierarzt getreidfreies Futter empfehlen.
  • Bestimmte Rassen mit bekannter Empfindlichkeit: Einige Rassen wie Irish Setter oder Dalmatiner haben häufiger Futtermittelunverträglichkeiten. Hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
  • Hoher Fleischanteil als Ziel: Wer bewusst ein Futter mit sehr hohem Fleischanteil und wenig pflanzlichen Füllstoffen sucht, landet oft bei getreidfreien Produkten — weil deren Hersteller generell auf hochwertigere Zutaten setzen. Das ist aber kein zwingender Zusammenhang.

Wann ist es nicht nötig?

Für die Mehrheit der Welpen gibt es keinen medizinischen Grund, auf Getreide zu verzichten. Studien zeigen, dass echte Getreideallergien bei Hunden vergleichsweise selten sind — häufiger sind Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Fleischproteinen wie Huhn oder Rind.

Wenn dein Welpe guten Kot produziert, ein glänzendes Fell hat, munter ist und keine Verdauungsprobleme zeigt, gibt es keinen Anlass, vom aktuellen Futter auf getreidfreies umzusteigen — nur weil der Begriff vermeintlich gesünder klingt. Du zahlst in der Regel mehr und bekommst nicht zwingend mehr Qualität.

Außerdem: Viele günstige getreidfreie Futter ersetzen Getreide durch große Mengen Erbsen oder Linsen — was wiederum eigene Fragen aufwirft (dazu mehr im nächsten Abschnitt).

Was steht statt Getreide im Futter?

Das ist eine der wichtigsten Fragen, denn die Antwort bestimmt, ob das getreidfreie Futter wirklich eine Verbesserung ist oder nur ein Marketingversprechen.

Kartoffeln und Süßkartoffeln

Beide sind gut verdauliche Kohlenhydratquellen und generell gut verträglich. Süßkartoffeln liefern zusätzlich Beta-Carotin und Ballaststoffe. Der Nachteil: Sie sind teurer als Getreide und erhöhen den Kohlenhydratanteil im Futter, ohne Protein zu liefern. Für Welpen, die viel Energie benötigen, kann das passen — solange der Fleischanteil hoch bleibt.

Erbsen und Linsen

Hier wird es kritisch: Erbsen und Linsen sind günstige Füllstoffe, die in getreidfreiem Futter häufig in großen Mengen eingesetzt werden. Die US-amerikanische FDA hat in mehreren Studien einen möglichen Zusammenhang zwischen hülsenfruchtreichem Futter und Dilatativer Kardiomyopathie (DCM) — einer Herzerkrankung — beim Hund untersucht. Die Forschung ist noch nicht abgeschlossen und ein eindeutiger Kausalzusammenhang nicht bewiesen. Dennoch sollte man bei Futter mit Erbsen als einem der ersten Zutaten vorsichtig sein, besonders bei Rassen, die ohnehin DCM-anfällig sind (Dobermann, Irish Wolfhound, Boxer).

Tapioka

Tapioka (aus der Maniokwurzel) ist eine neutrale Stärkequelle, gut verträglich und allergiearm. Sie liefert Energie, aber kaum Nährstoffe. Taucht sie als Hauptzutat auf, ist das ein Hinweis auf ein günstiges Produkt, das seinen Preis nach unten drückt.

Mit Getreide vs. Getreidefrei — ein ehrlicher Vergleich

Kriterium Mit Getreide Getreidefrei
Preis Oft günstiger Meist teurer
Verträglichkeit Gut für die meisten Welpen Besser bei Getreide-Unverträglichkeit
Proteingehalt Abhängig vom Produkt Abhängig vom Produkt
DCM-Risiko Kein erhöhtes Risiko bekannt Mögl. erhöht bei hülsenfruchtreichem Futter
Produktauswahl Sehr groß Wächst, aber kleiner
Einstieg für Erstbesitzer Einfacher, mehr Erfahrungswerte Mehr Recherche empfohlen

Top-3 getreidfreie Welpenfutter (Produktnamen, keine Kauflinks)

TailTip ist 100 % unabhängig und erhält keine Provisionen. Die folgenden Produkte werden rein inhaltlich genannt, weil sie in ihrer Kategorie transparent formuliert sind und einen hohen Fleischanteil aufweisen.

Orijen Puppy

Orijen (Hersteller: Champion Petfoods) gehört zu den am besten bewerteten getreidfreien Welpenfuttern weltweit. Sehr hoher Fleischanteil aus verschiedenen Tierarten (Hühnchen, Truthahn, Fisch), keine Hülsenfrüchte als Hauptzutat. Geeignet für alle Rassen — für große Rassen gibt es eine spezifische Variante. Nachteil: vergleichsweise teuer.

Carnilove True Fresh Puppy (Chicken)

Carnilove setzt auf frisches Fleisch als Hauptzutat und verzichtet auf Weizen. Die True-Fresh-Linie arbeitet mit hohem Feuchtfleischanteil und einfacher Zutatenliste. Gut geeignet für Welpen mit empfindlichem Magen. Wichtig: Die Zutatenliste im Detail prüfen, da sich die Rezepturen je nach Variante unterscheiden.

Markus Mühle NaturNah Welpe

Ein deutsches Produkt mit transparenter Produktion und klar kommunizierten Inhaltsstoffen. Kalt gepresst, getreidefrei, mit hohem Geflügelanteil. Besonders beliebt bei Haltern, die auf kurze Zutatenlisten und regionale Produktion wert legen. Guter Mittelweg zwischen Preis und Qualität.

Was beim Umstieg auf getreidfreies Futter beachten?

Wenn du deinen Welpen auf getreidfreies Futter umstellst, sollte das schrittweise über 7 bis 10 Tage passieren. Ein abrupter Futterwechsel führt fast immer zu Durchfall, egal wie hochwertig das neue Futter ist — der Darm braucht Zeit, neue Mikroorganismen aufzubauen.

  1. Tag 1–3: 75 % altes Futter, 25 % neues Futter
  2. Tag 4–6: 50 % altes Futter, 50 % neues Futter
  3. Tag 7–9: 25 % altes Futter, 75 % neues Futter
  4. Ab Tag 10: 100 % neues Futter

Beobachte in dieser Zeit den Kot deines Welpen. Weicher oder schleimiger Kot kann auf eine Umstellungsreaktion hindeuten — hält er länger als drei Tage an oder verschlimmert er sich, lohnt sich ein Anruf beim Tierarzt.

Achte außerdem darauf, dass das gewählte getreidfreie Futter das Wort „Welpe" oder „Junior" im Namen trägt oder als geeignet für Welpen deklariert ist. Adultes Futter hat eine andere Nährstoffzusammensetzung und ist für den Wachstumsbedarf eines Welpen nicht geeignet.

Große Rassen brauchen besonderes Augenmerk: Ihr Calcuim-Phosphor-Verhältnis muss stimmen, da zu viel Calcium beim Wachstum zu Skeletterkrankungen führen kann. Manche getreidfreie Welpenfutter sind für alle Rassen ausgelobt — hier trotzdem die Analyse-Werte prüfen oder den Tierarzt befragen.

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Häufige Fragen

Ist getreidfreies Welpenfutter generell besser?

Nein. Für die meisten Welpen ohne nachgewiesene Unverträglichkeit ist hochwertiges Futter mit Getreide mindestens gleichwertig. Entscheidend ist der Fleischanteil und die Nährstoffzusammensetzung, nicht das Fehlen von Getreide.

Welche Zutaten ersetzen Getreide typischerweise?

Häufig Kartoffeln, Süßkartoffeln, Erbsen, Linsen und Tapioka. Diese liefern Kohlenhydrate, sind aber nicht automatisch gesünder als Getreide. Bei hülsenfruchtreichen Rezepturen lohnt ein Blick auf das DCM-Thema.

Ab wann darf ein Welpe getreidfreies Futter bekommen?

Sobald er entwöhnt ist und Festfutter verträgt (ab ca. 4 Wochen), kann getreidfreies Welpenfutter gefüttert werden. Das Futter muss ausdrücklich für Welpen geeignet sein und alle altersgerechten Nährstoffe enthalten.

Was ist DCM und warum ist das relevant?

DCM (Dilatative Kardiomyopathie) ist eine Herzerkrankung bei Hunden. Die FDA untersuchte einen möglichen Zusammenhang mit hülsenfruchtreichem, getreidfreiem Futter. Ein eindeutiger Beweis fehlt noch, aber es ist ein Faktor bei der Futterwahl — besonders bei DCM-anfälligen Rassen.